Veröffentlicht: 16. Oktober 2026 · Quelle: VersicherungsJournal.at – redaktionell bearbeitet von POINTNER finanz
(kunid) Der Ölpreis hat die Marke von 100 US-Dollar je Fass wieder längst überschritten. Gesperrte Transportwege, Produktionsausfälle und geringere Exporte verknappen das Angebot. Auch bei Diesel und Flüssiggas sorgen die geopolitischen Konflikte für steigende Preise.
Die europäische Ölsorte Brent übersprang Anfang September die Marke von 100 US-Dollar je Fass. Ein wesentlicher Grund ist die angespannte Versorgungslage im Nahen Osten. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, während auch wichtige Transportwege am Roten Meer beeinträchtigt sind. Zusätzlich wurde die saudi-arabische Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen außer Betrieb genommen.
Gleichzeitig kommt von den großen Förderländern vorerst keine zusätzliche Entlastung. Die Opec+ beschloss Anfang September, ihre Produktionsziele im Oktober nicht weiter anzuheben. Tatsächlich blieb die Förderung zuletzt ohnehin hinter den vereinbarten Mengen zurück.
Diesel besonders knapp
Zusätzlicher Druck kommt aus Russland. Nach Angriffen auf zahlreiche Raffinerien exportiert das Land seit Juli keinen Diesel mehr. Damit fehlt ein bislang bedeutender Lieferant auf dem Weltmarkt. Die Folge sind kräftig gestiegene Dieselpreise. Der sogenannte Crack-Spread, also die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem daraus hergestellten Diesel, erreichte zuletzt mit 106 US-Dollar einen Rekordwert.
Die Auswirkungen können letztlich auch Unternehmen und Konsumenten treffen. Höhere Kosten für Treibstoffe und Transporte verteuern die Logistik und können sich auf die Preise zahlreicher Waren auswirken.
Auch der Gasmarkt unter Druck
Die geopolitischen Spannungen erfassen ebenso den internationalen Gasmarkt. Katar hat seine Exporte von Flüssiggas (LNG) gestoppt, nachdem eine wichtige Produktionsanlage durch iranische Drohnen beschädigt worden war. Das Land hatte zuvor rund ein Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung abgedeckt.
Besonders stark sind asiatische Staaten von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängig. Sie fragen nun verstärkt LNG aus den USA nach, das ansonsten teilweise für Europa bestimmt wäre. Damit nimmt auch der Wettbewerb um verfügbare Liefermengen zu.
Energieunternehmen profitieren
Während hohe Energiepreise Verbraucher und viele Unternehmen belasten, verbessern sie die Ertragslage großer Öl- und Gaskonzerne. „Die höheren Öl- und die zuletzt vor allem kräftig gestiegenen Gaspreise verbessern die Ergebnisse der Energieunternehmen deutlich“, erklärt Aaron Albers, Analyst bei Raiffeisen Research. Eine geopolitische Risikoprämie dürfte seiner Einschätzung nach vorerst bestehen bleiben, zusätzlich könnte der bevorstehende Winter die Gaspreise stützen.
Die Entwicklung zeigt damit, wie unmittelbar geopolitische Konflikte auf die internationalen Energiemärkte durchschlagen – und über Treibstoff-, Transport- und Energiekosten schließlich auch weit über die Branche hinaus wirken.

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