Weniger Einkommen, mehr Umweltbelastung

Veröffentlicht: 2. Oktober 2026 · Quelle: VersicherungsJournal.at – redaktionell bearbeitet von POINTNER finanz

(kunid) Wie stark Menschen unter Lärm, Hitze oder Staub leiden, hängt auch mit ihrem Einkommen zusammen. Eine aktuelle Analyse von Statistik Austria zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen und untersucht erstmals auch deren Mehrfachbelastung.

Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen sind häufiger von belastenden Umweltbedingungen betroffen. So fühlen sich 16,8 Prozent von ihnen in ihrem Wohnbereich sehr oder eher stark durch Lärm gestört. Bei Personen mit hohem Haushaltseinkommen sind es 10,1 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei Hitze aus: 23,5 Prozent der Menschen mit niedrigem Einkommen fühlen sich während einer Hitzewelle sehr stark belastet, gegenüber 13,4 Prozent in der höchsten Einkommensgruppe.

Mehrere Belastungen kommen zusammen

Für die Studie untersuchte Statistik Austria erstmals, wie sich mehrere Umweltprobleme gemeinsam auf unterschiedliche Einkommensgruppen verteilen. Einbezogen wurden unter anderem Lärm, Staub, Ruß, Hitze und Auswirkungen des Klimawandels.

21,5 Prozent der Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen weisen eine hohe Umweltbetroffenheit auf. Bei hohen Einkommen sind es 15,6 Prozent. Besonders groß ist die Belastung bei Arbeitslosen mit niedrigem Einkommen: 39 Prozent gehören zur Gruppe mit hoher Umweltbetroffenheit.

Die Untersuchung basiert auf dem Mikrozensus-Sondermodul „Umweltbedingungen, Umweltverhalten“ aus dem Jahr 2023, das mit Einkommensdaten aus Verwaltungsquellen und EU-SILC ergänzt wurde. Der Bericht wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Wien erstellt und im September 2026 veröffentlicht.

Höheres Einkommen belastet Umwelt stärker

Umgekehrt zeigt sich beim Konsum- und Mobilitätsverhalten ein anderes Bild. Statistik Austria fasste dafür unter anderem die Nutzungsdauer von Smartphone, Fernseher und Waschmaschine, Onlinekäufe von Kleidung, Autofahrten und Flugreisen zu einem Index zusammen. 26 Prozent der Menschen mit hohem Haushaltseinkommen weisen demnach ein Verhalten mit potenziell hoher Umweltbelastung auf. Bei mittleren Einkommen sind es 18 Prozent, bei niedrigen Einkommen 9,7 Prozent.

Ein Beispiel liefert der Kleidungskauf im Internet: 38,8 Prozent der Menschen mit hohem Einkommen bestellen zumindest mehrmals im Jahr Kleidung online. In der Gruppe mit niedrigem Einkommen sind es 20,9 Prozent. Auch die Nutzungsdauer von Smartphones und Fernsehern bis zum Neukauf sinkt laut Untersuchung mit steigendem Einkommen.

Die Ergebnisse zeigen damit zwei gegenläufige Entwicklungen: Menschen mit geringerem Einkommen sind stärker von ungünstigen Umweltbedingungen betroffen, während mit höherem Einkommen Verhaltensweisen zunehmen, die potenziell stärker zur Umweltbelastung beitragen.

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