Zwischenbilanz der Unwetterschäden

(kunid) Umweltexperten plädieren für eine Änderung im Umgang mit der – erschöpflichen – Ressource Boden. Die zunehmende Bodenverbauung („Versiegelung“) hat tatsächlich auf die Lebensmittelversorgung, das Klima und das Schadengeschehen negative Auswirkungen. Was kann aber dagegen unternommen werden?

Wir haben es gehört: der zweitheißeste Sommer seit den Aufzeichnungen (beginnend im 18. Jahrhundert) hat uns alle zu schaffen gemacht. Vor allem aber die heimischen Landwirte leiden unter der „Affenhitze“ – und damit einhergehend unter den Auswirkungen des Klimawandels, namentlich von Unwetterschäden.

Zuletzt haben sich wieder Meldungen der Österreichischen Hagelversicherung über schwere Unwetterschäden gehäuft: Der Versicherer berichtet von neuerlichen Schäden in der steirischen Landwirtschaft.

So seien in den Bezirken Südoststeiermark, Deutschlandsberg und Leibnitz auf einer Fläche von 1.000 Hektar Mais, Soja, Gemüse, Wein, Glas- und Folienhäuser von Hagel und Sturm betroffen gewesen.

Nach ersten Erhebungen der Sachverständigen der Hagelversicherung entstand für die Landwirtschaft ein Schaden in der Höhe von 800.000 Euro, sagt der zuständige Landesleiter in der Steiermark, Josef Kurz.

Negative Folgen des Bodenverbrauchs

Immer wieder appellieren Experten, das Fortschreiten des Bodenverbrauchs zu stoppen.

„Im Durchschnitt der letzten drei Jahre verschwanden täglich knapp 12 Hektar Boden oder umgerechnet rund 20 Fußballfelder in Österreich unter Beton und Asphalt“, so ein Wissenschafter der Hagelversicherung.

Die Folgen sind Zersiedelung und damit „Verschandelung“ der Landschaft mit Auswirkungen auf den Tourismus, Gefährdung der Lebensmittelversorgung durch den Verlust von Agrarflächen, beschleunigter Klimawandel durch Wegfall des Bodens als CO2-Speicher und zunehmende Hochwasserschäden, da Regenwasser nicht mehr versickern kann.

Verbauung stoppen

So ist es heuer etwa in fast allen Gemeinden im Tiroler Unterland, die an den Inn grenzen, zu massiven Überschwemmungsschäden gekommen. Auf knapp 500 Hektar ist durch Überschwemmung in der Landwirtschaft ein Gesamtschaden von rund zwei Millionen Euro entstanden.

Dazu erklärt Prof. Helmut Habersack von der Universität für Bodenkultur Wien: „Der zunehmende Verlust von Überflutungsflächen durch den extremen Bodenverbrauch in Österreich führt zu einer Verschärfung des Hochwasserrisikos. Es ist höchste Zeit, die Verbauung zu stoppen und die Überflutungsflächen zu erhalten oder zurückzugewinnen.“

Kein Jahr ohne Wetterextreme

Nikolaus Zeindl, ein betroffener Landwirt aus Münster, sieht eine Zunahme an Wetterextremereignissen auf die Landwirtschaft zukommen.

„Wir Landwirte bleiben mittlerweile kein Jahr von unterschiedlichsten Wetterextremen verschont. Ist es in einem Jahr die Dürre, die zu schaffen macht, ist es im nächsten Jahr beispielsweise eine Überschwemmung, welche die Ernte vernichtet“, sagt Zeindl.

„Eine umfassende Risikovorsorge ist das eine, rasche Maßnahmen im Kampf gegen das oft selbst verschuldete Auftreten derartiger Extremereignisse das andere“, so Zeindl abschließend.

Leerstehende Immobilien nutzen

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Hagelversicherung, plädiert daher für ein Umdenken im Umgang mit leerstehenden und verfallenden Immobilien: „Wir müssen endlich begreifen, dass der Boden keine unendlich verfügbare Ressource ist.“

Unter dem Motto „Leerstand nützen, Boden schützen“ sollten wir beginnen, die vom Umweltbundesamt geschätzten 40.000 Hektar leerstehenden Immobilien in neue Nutzung zu bringen, „bevor wir Äcker und Wiesen neu zubetonieren“, so Weinberger.

Sind Sie sich nicht sicher? Dann fragen Sie Ihren Versicherungsberater, ob Ihr Grund und Boden und auch die Immobilie darauf optimal versichert sind.


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