So schütze ich mich vor digitalen Angriffen

(kunid) Zwar ist die Zahl sicherheitsrelevanter Vorfälle noch gering, doch die rasch wachsende Zahl smarter Geräte stellt ein attraktives Angriffsziel für Kriminelle dar. Der Verzicht auf Billigprodukte und die Beratung durch Fachleute sind unabdingbar, so die übereinstimmende Meinung einer Expertenrunde.

Das Bewusstsein der Öffentlichkeit für „digitale Gefahren“ zu schärfen und in der Bevölkerung einfache Präventionsmaßnahmen nachhaltig zu verankern – das ist das gemeinsame Ziel des Versicherungsverbandes (VVO) und des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV).

Dies erklärte der Generalsekretär des Verbandes Louis Norman-Audenhove vergangene Woche bei einer Pressekonferenz mit dem Titel: „Alexa, bist du gefährlich?“

Die Sicht der Versicherer

Smart Homes, also Haushalte auf Basis digital vernetzter Geräte, würden „wahnsinnig viel Komfort für den Einzelnen“ bieten, sagte Rémi Vrignaud, Allianz-Chef und Vizepräsident des VVO.

Darüber hinaus gebe es positive Auswirkungen auf den Energieverbrauch und die Sicherheit. Notwendig dafür sei aber eine Installation durch Professionisten.

Auf der anderen Seite verwies Vrignaud aber auf neue Risiken, weil alles vernetzt ist. Dabei gehe es um Passwortmanagement, sichere Verbindungen und Sicherheitseinstellungen von Bluetooth und WLAN.

Man müsse daher „alles tun, damit die Komfortzone der digitalen Welt sicher gemacht“ wird. Dies könne einerseits durch das eigene Verhalten, andererseits durch höhere Investitionen erfolgen; zu letzteren zählen auch die Anpassung der Versicherungssummen und der Versicherungsschutz gegen Hacker und Cyber-Kriminalität, so Vrignaud.

Lernprozess auch für Versicherer

Aber auch die Versicherungswirtschaft muss lernen, mit der neuen smarten Welt umzugehen, ist sich Vrignaud bewusst. Es geht darum, sich den neuen Konsumentenbedürfnissen anzupassen.

Ein spezielles Problem stellt das Eindringen in Häuser oder Wohnungen ohne ersichtlichen Schaden (wie eingeschlagene Fenster oder aufgebrochene Türen) dar, wenn durch Hacker beispielsweise smarte Garagentore geöffnet werden.

„Ein Einbruch muss nachgewiesen werden“, erinnerte der Allianz-Chef. Darum ist es nötig, in Sicherheit zu investieren. Bei Qualitätsgeräten gibt es eine Protokollierung des Herstellers, womit sich nachweisen lässt, dass eingebrochen wurde.

„Gesunde Skepsis herrscht vor“

Obwohl smarte Geräte langsam Teil des Alltags werden, sieht KFV-Direktor Othmar Thann „gesunde Skepsis“ in der Bevölkerung: „Für den Großteil überwiegen die Gefahren.“

Dabei herrscht vor allem die Angst vor, dass sich Geräte verselbständigen. Dennoch werden smarte Geräte im Alltag von vielen Menschen verwendet: Jeder zehnte Nutzer hat schon einmal einen Schaden erlebt, wobei es sich in den meisten Fällen um Fehlfunktionen oder -leistungen gehandelt hat.

Aufrüttelnd: Nur 3,5 Prozent jener, die einen Schaden erlebt haben, haben sicherheitsrelevante Vorfälle berichtet, so Thann. Seine Tipps, um mögliche externe Risiken zu minimieren: „Gezielt Informationen einholen und mit Professionisten reden.“ Keinesfalls sollte man irgendwelche billigen Geräte im Internet kaufen.

Die Gefahren smarter Häuser

Mit der „dunklen Seite des Internet of Things“ befasste sich bei dieser Veranstaltung Leopold Löschl vom Cybercrime-Competence-Center des Bundeskriminalamts: „Jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, kann auch über das Internet angegriffen werden.“

Die stark zunehmende Anzahl vernetzter Geräte bietet ein besonders attraktives Angriffsziel für Kriminelle. Löschl nennt Beispiele. So könne ein gehackter smarter Staubsauger eine Wohnung vermessen und einen genauen Plan übermitteln, der dann für einen Einbruch verwendet wird.

Tatsächlich – wenn auch in den USA – sei Haustechnik auch schon für Stalking verwendet worden, wobei Jalousien und Türen sich wie von Geisterhand öffneten und wieder schlossen und die Heizung auf- und abgedreht wurde.

Seit 2014 sei ein kontinuierlicher Anstieg im Bereich Cybercrime zu verzeichnen, erklärt Löschl. Die Anzahl sicherheitsrelevanter Vorfälle im Zusammenhang mit Smart Homes wird derzeit allerdings noch nicht erfasst.

Sicherheit kostet

Gerade vor Weihnachten empfiehlt Löschl, nur sichere Geräte zu kaufen: „Wenn Geräte besonders billig sind, war wahrscheinlich die Investition in Sicherheit nicht groß.“ Er erinnert daran, dass Kriminelle meistens den einfachsten Weg gehen.

Außerdem sollte sich der Konsument fragen, ob er wirklich jedes Gadget, das angeboten wird, auch benötige: „Brauche ich Alexa in meinem Schlafzimmer?“ Und: „Man kann Geräte auch abschalten“, wenn man Sorge hat, ausspioniert zu werden.

Besonders wichtig ist im Bereich Smart Home die Erstellung eines Gesamtkonzepts. Auch wenn das etwas kostet, sollte man auf fachkundige Hersteller setzen und Geräte von fachkundigem Personal installieren und warten lassen.

Fragen Sie auch Ihren persönlichen Berater bzw. Versicherungsmakler – der weiß, welche Versicherungen digital verursachte Schäden abdecken.


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